Wie funktioniert eine Festplatten-Datenrettung?

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Festplatten werden bereits seit 60 Jahren hergestellt. Die erste ihrer Art, die IBM 305 RAMAC, wurde 1956 auf dem Markt eingeführt. Sie hatte einen Durchmesser von 61 Zentimetern und war mit rund einer Tonne ein richtiges Schwergewicht. Ihre Erfindung revolutionierte die Datenverarbeitung, weil sie Lochkarten, auf denen bis dahin Informationen gespeichert wurden, ablöste. Die Speicherkapazität von 5 MB war aus heutiger Sicht ein Witz (auf aktuelle Computer-Festplatten passen bis zu 4 TB), entsprach damals aber rund 64.000 Lochkarten. Die Rede ist von der Festplatte, auch HardDisk (HD) oder Hard Disk Drive (HDD) genannt. Heutzutage sind Festplatten als Datenspeicher kaum noch aus unserem Leben wegzudenken.

Wie sind Festplatten aufgebaut?

Der Aufbau des mittlerweile am weitesten verbreiteten Datenträgers hat sich seit dem ersten Modell kaum verändert. Im Innenleben rotieren durch einen Motor angetriebene Scheiben, deren Oberflächen mit einer magnetisierbaren Beschichtung ausgestattet sind. Die mit Hilfe einer Steuerelektronik koordinierten Schreib-Leseköpfe bewegen sich über die Plattenoberfläche und schreiben die zu speichernden Daten auf diese.

Welche Arten von Festplatten gibt es?

  • Anschluss/Interface: SATA, IDE, SCSI, USB (externe Festplatte)
  • Bauart/Größe: 1,8, 2,5, 3,5 Zoll
  • Dateisystem: NTFS, FAT32, EXT3, EXT4, HFS+, etc.

Wie werden Festplatten in der IT eingesetzt?

Aufgrund der hohen Speicherkapazität und der vergleichsweise niedrigen Kosten sind die Datenträger sehr beliebt. Häufig kommen sie als einzelne Speichermedien im System zum Einsatz. Auch in RAID-Arrays werden sie verwendet. SSD-Festplatten, die sich dank der schnelleren Schreibgeschwindigkeit zunehmender Beliebtheit erfreuen, haben übrigens keine Gemeinsamkeiten mit klassischen HDs. Sie gehören entsprechend ihres technischen Aufbaus in die Kategorie der Flashmedien.

Wodurch entstehen Festplattendefekte und welche Ursachen sind typisch?

Im Zuge der technischen Weiterentwicklung wurden in den vergangenen Jahren das Speichervolumen und die Schreibgeschwindigkeit immer weiter gesteigert. Dafür musste die Anzahl der in der Festplatte verbauten Platter und somit auch die der SchreibLeseköpfe erhöht werden. Aufgrund dieser Vielzahl an mechanisch-beweglichen Komponenten reagieren HDDs empfindlich auf äußere Einwirkungen (Stürze, Stöße, Umkippen etc.), die über 70 Prozent aller Defekte verursachen.

Des Weiteren können hohe Temperaturunterschiede, Überspannungen (infolge eines Blitzschlages) oder starke Magnetfelder in der direkten Umgebung den Datenträgern zusetzen. Ebenso können Flüssigkeiten, Feuer, Anwenderfehler und Schadsoftware (Viren, Trojaner usw.) Festplattendefekte verursachen. Untersuchungen haben ergeben, dass bis zu ein Viertel der Speichermedien innerhalb von drei Jahren kaputt geht.

Wo liegt der Unterschied zwischen mechanischen, elektronischen und logischen Beschädigungen?

Man unterscheidet bei defekten Festplatten zwischen Mechanik-, Elektronik- und Logikdefekten.

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Wann spricht man von Problemen mit der Festplattenmechanik?

In die erste Kategorie fallen beispielsweise zerkratzte Plattenoberflächen, beschädigte Schreib-Leseköpfe (Headcrash), festgegangene Lager oder dezentrierte Platten.

Warum erzeugen defekte Festplatten manchmal klackernde Geräusche?

Mechanische Beschädigungen lassen sich meist daran erkennen, dass die HDD untypische Geräusche verursacht. Berühren sich die Bauteile im Inneren der Festplatte, ist meist ein Klackern, Kratzen oder Schleifen zu vernehmen. Ein ausgeprägtes Summen mit unregelmäßigen Unterbrechungen ist hingegen in der Regel unbedenklich und zählt zu den gewöhnlichen Betriebsgeräuschen. Diese sind jedoch bei modernen Modellen kaum noch hörbar. Erzeugt die Festplatte untypische Laute, kann unser Geräusch-Analyse-Tool helfen, die Ursache zu ermitteln. Es ermöglicht zudem eine Schätzung des voraussichtlichen Aufwandes für eine Reparatur bzw. Datenrettung.

Kann eine Festplatte repariert werden?

Häufig wird von einer Festplattenreparatur gesprochen. Wenn es aufgrund der Beschädigungen erforderlich wird, kommt es im Rahmen einer Datenrettung vorab zur Reparatur von Festplatten. Jedoch erfolgt diese nicht im Sinne einer weiteren Verwendung durch den Anwender, sondern nur zur kurzfristigen Nutzung durch den Datenretter im Zuge der Datenrekonstruktion. Festplatten werden durch die Hersteller (z.B. Western Digital, Seagate, Samsung, HGST, Hitachi, etc.) unter Reinstraumbedingungen hergestellt. Dadurch wird sichergestellt, dass kein Staub oder andere Partikel in das Innere der Festplatte gelangen. Bei der Datenrettung im Labor werden Reinräume mit einer höheren Toleranz von Staubpartikeln verwendet. Eine Reparatur ist somit nicht für die langfrsitige Nutzung der HDD möglich.

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Wann liegen Elektronikschäden vor?

Überschriebene Servodaten, gebrochene Leitungen, Firmwareschäden, verschmorte Elektronikkomponenten, kaputte Motoren oder Controller zählen zu den elektronischen Festplattendefekten.

In welchen Fällen sind logische Beschädigungen verantwortlich?

Von logischen Problemen spricht man, wenn z. B. ein Dateisystem beschädigt, eine Partitionstabelle verloren geht oder ein Laufwerk irrtümlich formatiert wurde. Gelöschte oder überschriebene Daten gehören ebenfalls in die Kategorie Logikschaden.

Ist eine Wiederherstellung bei Datenproblemen auf Dateisystemebene aufwändig?

Fehler im Dateisystemlassen lassen sich mitunter zügig beheben. So ermöglichen uns beispielsweise eigens entwickelte Datenrettungsprogramme mit den entsprechenden Algorithmen ein Wiederherstellen von versehentlich gelöschten Daten.

Bevor Daten gerettet werden, erfolgt zunächst eine Kopie der Datenträger. Vor dem Anlegen von Klonen wird ausgeschlossen, dass ein Hardwareschaden an der Festplatte vorliegt. Die S.M.A.R.T.-Technologie (Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology, zu Deutsch: System zur Selbstüberwachung, Analyse und Statusmeldung) ist im semiprofessionellen Bereich ein erster Ansatz dafür. Um genau den Schaden zu ermitteln ist eine professionelle Diagnose erforderlich.

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Was ist zu tun bei einer defekten Festplatte?

Sollten Sie einen Festplattenschaden, der mit einem Datenverlust einhergeht, feststellen, bewahren Sie unbedingt Ruhe. Unüberlegte Handlungen helfen in solchen Situationen nicht weiter. Im Zweifelsfall schalten Sie den Rechner zunächst einmal aus bzw. trennen die Festplatte von der Stromzufuhr.

Kann man gelöschte Daten selbst wiederherstellen?

Vorsicht ist vor Selbstversuchen mit (kostenloser) Datenrettungssoftware aus dem Internet geboten. Im schlimmsten Fall vergrößert man damit den vorliegenden Defekt noch, wenn weitere Inhalte entfernt, komplette Partitionen formatiert oder vermeintlich leere Bereiche auf dem Medium mit neuen Daten überschrieben werden.

Bei Beschädigungen der Hardware besteht bei eigenen Versuchen der Datenrettung ein hohes Risiko, den Schaden noch zu verschlimmern. In vielen Fällen, besonders bei Schäden an den SchreibLeseköpfen, kann ein weiterer Betrieb der Hard Disk problematische Folgedefekte hervorrufen, die den Aufwand und die Kosten einer Datenrekonstruktion vergrößern. Deshalb ist es immer zu empfehlen, direkt mit einem professionellen Datenrettungsunternehmen Kontakt aufzunehmen.

Wie gestaltet sich der Ablauf einer Festplatten-Datenrettung?

Möchten Sie den defekten Datenträger durch Experten analysieren lassen, sollte er für den Transport sicher in Antistatikfolie mit Luftpolsterung verpackt werden. Wir bieten Ihnen eine kostenlose Abholung und Erstberatung an.

1. Analyse des Speichermediums

Ist das Speichermedium im Datenrettungslabor eingetroffen, wird es genauestens analysiert, um die Art und das Ausmaß der Beschädigung zu ermitteln. Anhand dieser Erkenntnisse lassen sich dann der Aufwand und die Kosten einer Datenwiederherstellung bestimmen. Anschließend wird ein Kostenvoranschlag erstellt. Bei uns erhalten Sie ein Festpreisangebot, das alle erforderlichen Kosten für die Rettung der Daten (Kosten für Ersatzteile, Personalkosten etc.) ausweist. Es folgt eine Beratung, in der das weitere Vorgehen ausführlich erläutert wird. Stimmen Sie den Angebotskonditionen zu, kann die Datenrekonstruktion beginnen.

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2. Durchführung der Datenrettung

Bei mechanischen Defekten ist in der Regel zunächst eine Reparatur der Festplatte erforderlich, um deren Funktionstüchtigkeit wiederherzustellen. Dafür wird das Gehäuse von Spezialisten in einem Reinraumlabor geöffnet. Die staubfreie Umgebung verhindert eine weitere Beschädigung des Datenträgers, etwa ein Zerkratzen der Magnetoberflächen durch Schmutzpartikel in der Luft. Beschädigte Teile werden im Zuge der Reparaturmaßnahmen durch funktionstüchtige Bauteile ersetzt. Wir verfügen über ein umfangreiches Lager mit über 100.000 Ersatzteilen, um unseren Kunden unnötige Wartezeiten zu ersparen.

Läuft die Festplatte schließlich wieder, wird eine 1:1-Kopie des Datenträgers erstellt. An diesem identischen Klon werden alle weiteren Schritte durchgeführt. Ein solches Vorgehen verhindert, dass im Zuge der Datenrekonstruktion das Original-Speichermedium weiter beschädigt wird. Liegen logische Festplattendefekte vor, werden mittels spezieller Softwaretools die Dateistruktur und die verlorenen Daten rekonstruiert.

3. Abschließende Schritte

Die geretteten Daten werden nun auf ihre Lesbarkeit überprüft und nach dieser abschließenden Qualitätskontrolle auf einem neuen Speichermedium gesichert. Die wiederhergestellten Dateien übergeben wir Ihnen persönlich oder verschicken sie per versicherten Versand. Unsere Erfolgsquote bei der Datenrettung von Festplatten liegt bei 99 Prozent.